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Österreichische Berge
14. Januar 2022
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Austropop: 5 neue österreichische Artists die du kennen solltest

Austropop ist Pop aus Österreich, das ist doch sonnenklar. Nun ja, ganz so einfach ist es nicht. Schau hier, wie weit das Genre heute aus seinen Wurzeln gewachsen ist.

Leider kommt viel zu wenig Musik aus Österreich zu uns nach Deutschland. Es wäre doch trotzdem spannend, mal etwas über den Tellerrand ins das hügelige Nachbarland zu schauen. Deshalb habe ich es mir mit diesem Post zur Aufgabe gemacht, dir die meiner Meinung nach interessantesten Newcomer aus Österreich mal etwas genauer vorzustellen.

Nebenbei möchte ich wie immer natürlich auch etwas auf die Geschichte des Genres eingehen, dir von besonderen Merkmalen erzählen und berichten, für wen der Austropop früher einmal bekannt war und das auch heute noch ist.

Ein kleiner Disclaimer dabei an dieser Stelle: Ich fühle mich in keinster Weise in der Lage, auch nur annähernd naturgetreu den österreichischen Dialekt zu verstehen oder zu reproduzieren und werde es auch nicht weiter versuchen.

Liebe Leser*innen aus Österreich verzeiht es mir, aber „oisdann, los geht’s!

Wo der Austropop herkommt

Wie auch schon bei meinem letzten Post zum Thema Muskelgedächtnis, ist auch hier die im Titel stehende Bezeichnung, diesmal Austropop, etwas fehlleitend. Es ließe sich logischerweise schließen, dass lediglich aus Österreich stammende Pop-Titel dem Genre zugeordnet werden. Das ist zwar auch der Fall, aber nicht ausschließlich.

Austropop bezieht sich heutzutage wirklich nur auf die Herkunft von Musik aus Österreich. Somit werden dem Sammelbegriff neben Liedern des Pop, auch solche des Schlagers, Hip-Hops, der Volksmusik oder des Rocks zugeordnet. Kennzeichnendes Merkmal war dabei zunächst der Gesang im österreichischen Dialekt – anfangs sogar nur auf Wienerisch.

Während frühe Künstler wie Wolfgang Ambros dieses Merkmal ab Anfang der 1960er nutzten um sich von anderer deutschsprachiger Musik abzuheben, sollte sich diese Situation aufgrund eines Erlasses des österreichischen Rundfunks bald ändern.

„In den letzten Monaten beginnt eine mir unerklärliche Schnulzeninvasion über Ö3 hereinzubrechen. Wann immer man Allroundprogramme in Ö3 aufdreht, säuselt einem ein germanischer Schwachsinniger in die Ohren.“

– Gerd Bacher, Generalintendant des österreichischen Radiosenders Ö3 im Juli 1968

Mit diesen harten Worten lebt es sich natürlich nicht leicht. Doch zeigen sie auch, wie die Österreicher in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zu deutscher Musik standen. Mit dem sogenannten „Schnulzenerlass“ wies der damalige Generalintendant des österreichischen Radiosenders Ö3 seine Mitarbeiter recht deutlich an, doch gefälligst mehr internationale Musik zu spielen.

Als Folge erfreuten sich nun Musiker wie Frank Zappa oder die Rolling Stones einer größeren Beliebtheit und nahmen die Stellen deutschsprachiger Kollegen ein.

Die Musik, welche von Anfang an für ihre gesellschaftskritischen Songtexte bekannt war, sollte damit einige Jahre ruhen und erst in den 80ern mit dem Auftreten ihres bekanntesten Vertreters wieder an Rampenlicht gewinnen.

In der Zwischenzeit ging die Internationalisierung der Radiosender natürlich an den lokalen Bands nicht vorbei und auch englische Gesänge konnte nun mit dem Etikett „Austropop“ versehen werden.

Falls du noch ein paar detailliertere Einblicke in die Geschichte des Austropops haben willst, kann ich dir diesen Artikel von last.fm nur Wärmstens ans Herz legen.

Wer den Austropop groß gemacht hat

Gleich vorneweg muss ich hier selbstverständlich einen Mann erwähnen – Falco. Er ist ohne Frage der bekannteste Vertreter des Genres und seine Lieder wie Rock Me Amadeus, Der Komisar oder Jeanny ertönen auch heute noch rund um die Uhr auf Radiostationen der ganzen Welt. Falco ist ist und bleibt der bekannteste österreichische Popmusiker.

Jedoch schafften es auch andere Künstler, in seinem Schatten Erfolge zu feiern. So zum Beispiel EAV oder ausführlich Erste Allgemeine Verunsicherung. Während sie sich anfangs noch fast ausschließlich des österreichischen Dialekts bedienten, wandte sich dies im Laufe der achtziger Jahre.

Im Gegensatz zu Falco bemerkte ich beim Hören, dass ihre Lieder irgendwo zwischen Schlager und Rock liegen und heutzutage oft etwas veraltet und kitschig klingen. Wer drauf steht, dem sei’s natürlich nicht versagt, aber meine Lieblingsmusik wird’s jetzt nicht.

Auch die Bezeichnung „Austropop“ gelang zu dieser Zeit leicht in den Verruf, weil sie ein „provinzielles“ und vom Schlager geprägtes Bild hatte. Das stand natürlich im krassen Gegensatz zum internationalen Erfolg von Falco und sollte sich erst einige Jahrzente später wieder ändern.

Nichtsdestotrotz verbindet Sowohl Falco, als auch EAV ihre komödiantische Art und lustigen Texte, welche auch bei den folgenden neuen Künstlern nicht zu kurz kommt.

Davor gibt’s hier aber noch eine Mini-Playlist des „klassischen“ Austropops für dich als Bonus!

Welche neuen Austropopper*innen du kennen solltest

Jetzt aber ans Eingemachte. Hier gibt’s jetzt meine Lieblingsnewcomer aus Österreich und deren beste Songs in einer Playlist. Ich denke mal, dass ich eine recht bunte Mischung aus Hip-Hop, Pop, Rock und Singer-Songwriter zusammengestellt hab.

1. Bilderbuch

Na gut, ich bin ehrlich. Bilderbuch sind nicht mehr wirklich unbekannt. Zumindest sehe ich sie mittlerweile überall in Instagram Stories und höre oft auch im Vorbeigehen ihre Musik. Heutzutage sind sie wohl eine der bekanntesten Gruppen aus Österreich – und das zu Recht.

Wie ich lernte, fingen die vier Jungs schon mit 13 an, als Schulband zusammen zu musizieren und haben seitdem ganze sechs Alben veröffentlicht.

Doch das war nicht immer so. Als ich sie entdeckte, bemerkte ich nur sofort den geilen Party-Groove des Songs Bungalow. Zudem fand ich es irgendwie total witzig, dass sie anstelle von „Ladegerät“, „Lader“ singen. Keine Ahnung wieso, schätze Dialekte sind einfach interessant für jemanden, der selbst keinen hat.

Das jedoch nicht alle Lieder von Bilderbuch so viel Energie haben, lernte ich auch schnell zu schätzen. Mit Baba beweist die Austropop-Band, dass sie auch auf seichteren Gewässern mit Leichtigkeit navigieren kann. Der Songtitel ist übrigens Dialekt und bedeutet nicht etwa „Papa“, sondern einfach „Tschüss“.

„Ich glaub, dass wir tendenziell unseren ganzen Mut und unsere ganze Waghalsigkeit in der Musik und der Kunst ausleben.“

– Sänger und Gitarrist Maurice Ernst im Interview mit Red Bull

In ihrer Musik benutzen sie gerne etwas „schmalzige“ Synthesizer, jedoch tragen diese die Musik nicht etwa ins Lächerliche. Kombiniert mit den deftigen Drums des, aus dem RnB und Hip-Hop stammenden, Schlagzeugers ergibt sich eine erfrischende Mischung, die durchaus einen gewissen Vintage-Charm hat.

Das Thema RnB steht auch bei der nächsten Newcomerin ganz im Vordergrung. Mal schauen, was sie so besonders macht!

2. Eli Preiss

Wem die Sängerin Jorja Smith gefällt, dem wird auch Eli Preiss gefallen. Mit ihrer Musik bietet sie eine wärmende Mischung aus Hip-Hop und Soul, die sehr an die eben erwähnte Britin erinnert. Trotzdem verleiht Preiss ihrer Musik einen ganz eigenen Twist. Was bleibt, sind die zeitgenössischen 808-Drums und ein genau so moderner Cloud-Rap-Flow welchen man in Falcos Zeiten nie vom Austropop erwartet hätte.

„Dadurch, dass ich kein Vorbild […] hab von Leuten, die das machen, was ich machen möchte, mach ich halt was Eigenes, Neues.“

– Eli Preiss im Interview mit DIFFUS

Die junge Preiss wurde demnach auch schon als Kind und als Jugendliche oft darauf hingewiesen, doch bitte weniger zu singen und oft als Angeberin bezeichnet. Heute weiß sie dies zu schätzen und hat bemerkt, dass es zu weniger Reibung kommt, wenn sie ihren Gesangskünsten einfach im Studio freien Lauf lässt.

Im Alter von nur 23 Jahren, veröffentlicht sie regelmäßig neue Singles, EPs und kann auch schon mit bereits drei veröffentlichten Alben glänzen. In ihrer Texten behandelt sie gerne gefühlvollere Themen, die sie mit einer großen Prise Hauptstadtflair vermischt.

Ich bin gespannt, was wir in Zukunft von Preiss noch so alles hören werden und werde natürlich weiter pfleißig hier darüber berichten. Als Nächstes erwartet dich aber eine Band, die mit einem ganz anderen Stil, als dem allglatt-modernen Sound von Eli Preiss, auftritt.

3. Alle Achtung

Alle Achtung machen etwas leichtere Musik als Eli Preiss. Das soll aber auf gar keinen Fall abwertend klingen, schließlich ist guter Pop auch heute noch eine Rarheit.

Ihr Lied „Marie“ landete schließlich nicht grundlos auf Platz 2 bzw. 3 der größten österreichischen Hits der letzten 25 Jahre und wurde als Sommersong 2016 bekannt. Immer wieder berufen sie sich mit ihren neuen Songs an die namensgebende Frau und zeigen sich dankbar für den Erfolg, den sie ihnen brachte.

„Es herrscht eine gewisse Unbeholfenheit in dieser schnellen, hochtechnisierten Welt und so geht es mir selbst oft. Ich bin niemand, der von der „schönen alten Zeit“ redet, aber man kann die Elemente vermischen.“

– Christian Stani im Interview mit der Krone

Bei ihrer neuen Single „Bowie“ wird man den Gedanken nicht los, dass sie ihren Erfolg, der wie im Traum zu ihnen kam, besingen. Dies jedoch mit der gewohnten Prise an Selbsthumor, welche man vom Austropop gewöhnt ist.

Wenn du Lust auf leichte Musik für den kommenden Frühling und Sommer hast, solltest du Alle Achtung definitiv auf deinem Musikradar behalten. Währenddessen kannst du ja schonmal ein paar gute Lieder von ihnen in der unten verlinkten Playlist genießen und dich auf den nächsten Künstler mental vorbereiten.

4. Yukno

Yukno erfinden sich mit jeder Platte neu, das ist meine Erkenntnis, nachdem ich sie alle gehört haben. Mit ihrem ersten Album „Ich Kenne Kein Weekend“ legten die beiden Brüder einen feinen Start in den klassischen Indie-Pop hin und können mit Songs wie „Land“ oder „Mehr“ überzeugen.

Was mir daran besonders gefällt sind ihre kreativen Synthesizer. Mit jedem Song scheinen sie diese auf neue Arten und an anderen Stellen einzusetzen. Da sie keinen „richtigen“ Schlagzeuger haben, bieten auch die Drums überraschend viel Abwechslung und grooven schmackhaft mit dem Bass.

Man merkt aber doch, wie Yukno mit jeder Platte expressiver und experimentierfreudiger werden. Mit „Days of Tomorrowland“ präsentierten sie eine durchaus tanzbare EP, welche durch einen ganzen Haufen an stilistisch sehr unterschiedlichen Remixes unterstützt wird.

In 2020 kam dann „Im Stream der Zeit“. Wie der Titel schon andeutet, beschäftigt sich das gesamte Album mit Themen der Zeit und Vergänglichkeit. Besonders die Texte gefallen mir hier sehr gut und bringen die, doch immer wieder kritischen, Motive des Austropops ans Licht.

„Wir haben uns gedacht: Okay, wir haben viel erfahren, gelernt – und jetzt wollen wir das einfach selber umsetzen.“

– Yukno im Interview mit dem DLF

Am Besten finde ich jedoch ihre neueste Single, welche ihr euch direkt oben anhören könnt. Hier zeigen sie, wie weit sie ihre musikalische Reise schon geführt hat. Mit viel Echo wird eine kirchliche Atmosphäre erzeugt, welche durch tighte Grooves von den Drums ins Hier und Jetzt katapultiert wird.

Auch Yukno fingen direkt nach der Schulzeit an, ihr Leben der Musik zu widmen und feierten große Erfolge. Zu dieser Zeit hießen sie jedoch noch Neodisco und machten Musik, die ihnen selbst ein bisschen zu „halli-galli“ war.

Trotz einiger Labelverträge entschieden sie sich also, nochmal ganz von vorn anzufangen und als Yukno auf die Suche nach ihrem ganz eigenen Sound zu gehen. Bravo sag ich nur, gerne mehr davon!

5. Seiler und Speer

„Back to the roots“ heißt es bei Seiler und Speer. Das Duo aus Komiker und Schauspieler singt nämlich viel im Dialekt und erzeugt damit einen urigen Klang, dem es jedoch nicht an Humor mangelt.

Als Duo setzten die Beiden auch auf eine minimalistische Instrumentalisierung, die den hausgemachten Charakter der Musik noch weiter hervorhebt. Eine deftig gespielte Westerngitarre hat schließlich schon im Rock ’n‘ Roll ihre Vorzüge bewiesen.

Das Seiler und Speer im Gegensatz dazu auch glänzen können, wenn die großen Geschütze aufgefahren werden, zeigten sie zum Beispiel bei ihrem Auftritt im Gasometer Wien. Mit Background-Chor und gleich zwei Schlagzeugen lieferten sie hier eine astreine Show ab.

Wie auch schon bei Yukno schwingen aber auch durchaus kritische und ernste Themen im Hintergrund ihrer Texte mit. Die beiden Liedermacher versuchen jedoch, diese nicht auf einer ernsten Ebene zu behandeln, sondern heben sie gern ins Komödiantische.

„Ich nehm grundsätzlich nie was ernst. Ich nehm mich nicht einmal selber ernst, da sind mir die paar Lieder auch wurscht.“ (übersetzt)

– Christopher Seiler auf der Homepage von Seiler & Speer

Das sowas von einem Komiker kommt überrascht wenig und ich bitte die Beiden, diese lockere Einstellung doch bitte beizubehalten und weiterhin so amüsante Musik zu machen.

Eine Bitte an alle Leser*innen aus Österreich

Während wir darauf warten, seid jetzt aber erstmal ihr gefragt, denn ihr kennt euch besser in eurer eigenen Musiklandschaft aus, als ich es jemals könnte.

Kommentiere jetzt deine Lieblingsmusiker und -Musikerinnen aus der Heimat, damit die gesamte Rauhaus-Community sie entdecken kann!

Deine neue Austropop-Playlist

Zum Abschluss gibt’s wie versprochen die besten Lieder der fünf, oben vorgestellten, und paar mehr Artists für dich zum Hören in der Dauerschleife.

Lust auf mehr?

Hoffentlich hast du jetzt ein klareres Bild von deinen nächsten Lieblingskünstlern und kannst auch in Zukunft immer wieder Neue entdecken. Letzteres natürlich nur, wenn du dich auch fleißig in unseren Mailverteiler einträgst.

Nur so erreicht dich die unbekannteste, neueste und spannendste Musik aus aller Welt auf direktem Wege!

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