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Musik richtig hören sei gelernt
5. Januar 2022
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Musik verstehen: Wie’s dir gelingt

Wir alle lieben Musik, so viel steht fest. Lerne jetzt, deine Lieblingstitel noch besser zu verstehen und du wirst sie wie neu erleben können

In meinem vorletzten Post hab ich dir ja schon etwas vom Aufbau der Musik oder zumindest von der Art und Weise, wie ich diese verstehe, erzählt. Mit diesem Post möchte ich nun etwas mehr in die Tiefe gehen.

Musik verstehen kann vieles heißen

Vergiss dabei bitte niemals, dass diese Form des Musikverständnisses stark von westlichen Komponisten klassischer Musik geprägt ist. Was ich dir mitteilen möchte ist, dass die Mehrheit der Kulturen auf dieser Welt ihre ganz eigene Formen von Musik entwickelt haben. Es ist daher selten besonders hilfreich, diese einzig und allein durch die westliche Brille der Musikanalyse zu betrachten.

Wie du gleich lernen wirst, hat dort die Harmonie und Melodie einen sehr großen Stellenwert. Für Kulturen, die ein System mit mehr als diesen zwölf verschiedenen Tönen entwickeln haben, muss man zum Beispiel dann sogenannte Vierteltöne einführen. Wiederum andere legen viel mehr Wert auf Rythmen oder die Texte der Stücke, sodass diese in den Vordergrund rücken.

Du siehst also bereits, dass es viele verschiedene Weisen gibt, auf die man Musik verstehen kann. So viele, dass ich diese hier unmöglich in einem Blogpost abbilden kann. Wenn du dich mehr dafür interessierst, kann ich dir dieses Video vom bekannten YouTuber Adam Neely nur empfehlen.

Mit diesem Artikel möchte ich dir einfach nur näher bringen, wie ich Musik verstehe und welche Grundlage ich für die Beschreibung meiner Empfehlungen nutze. Das ich diese, als Person, die jahrelang Musikunterricht an einer deutschen Musikschule hatte, natürlich immer aus einer eher „klassischen“ Sicht betrachten werde, liegt dabei hoffentlich auf der Hand.

Aber warum muss man „Musik verstehen“ überhaupt „lernen“?

Intuitives Musikverständnis – auch du hast es

Die kurze Antwort ist: Muss man nicht, aber es hilft ungemein. Ich meine, du hast sicherlich schon immer gerne Musik gehört, sonst wärst du nicht auf Rauhaus gelandet. Dein intuitives Musikverständnis zieht dich unterbewusst zu bestimmten Elementen der Musik und hält dich von anderen eher fern.

Für eine große Mehrheit von Hörern gibt es nun bestimmte Elemente, die ihnen besonders gut gefallen. Viele von diesen Bausteinen gibt es bereits seit Jahrhunderten, ja wenn nicht sogar seit Jahrtausenden. Immer wieder fallen wir auf dieselben Tricks rein.

Vielleicht hast du dich ja schon ein paar Mal gefragt, warum dir ein bestimmter Song oder ein bestimmtes Genre ganz besonders gut gefällt. So ging es auch den Menschen, die diese Musiktheorie entwickelt haben. Durch Ausprobieren und eine gesunde Prise Bauchgefühl, haben sich anscheinend gewisse Elemente, in einer ganz bestimmten Konstruktion, als besonders ansprechend durchgesetzt.

Die Beziehung von Musik und Naturwissenschaften

Da sich die Musik, wie es scheint, zusammen mit der Mathematik entwickelt hat, verbindet die Beiden seit jeher etwas intimes. Dieser Aspekt spiegelt sich zum Beispiel in der Art und Weise, wie wir heutzutage Klaviere stimmen, wieder.

Ferner und ganz ähnlich zur theoretischen Physik, versucht auch die Musiktheorie ein System zu entwickeln, mit dem man intuitives Empfinden und beobachtete Geschehnisse in der Welt vergleichen kann. Während sich die Physik fragt: „Was passiert mit diesem Apfel, wenn ich ihn fallen lasse?“, fragt sich die Musiktheorie: „Wie wird es sich anfühlen, wenn ich diese Töne höre?“.

Bereits das Verb „fühlen“ zeigt jedoch einen großen Unterschied. Musik kommt, von Hörer zu Hörer, unterschiedlich gut an, während die Physik versucht objektiv zu bleiben. Jeder hat seinen eigenen Musikgeschmack und trotzdem gibt es wiederkehrende Elemente der Musik, welche viele Personen sehr gerne hören. Hat ein Titel diese Elemente nicht oder in einer untypischen Reihenfolge, so wird eine gleichermaßen große Anzahl von Hörern diesen nicht besonders mögen.

Mit der Musiktheorie lässt sich erstaunlich gut vorhersagen, ob einem Hörer bestimmte Elemente gefallen oder eben auch nicht gefallen werden. Aber was sind diese Elemente und wie kann man sie verordnen?

Die klanglichen Disziplinen – Meistere sie, um Musik zu verstehen

Diese nächsten vier Oberbegriffe stellen gewissermaßen jeweils eine Schublade in dem metaphorischen Schrank dar, in welchem man eine jede musikalische Empfindung einordnen kann. Das Zusammenspiel von Melodie, Harmonie, Rhythmus und Timbre charakterisiert ein Stück und ist das, was es einzigartig macht. Hier ein kleines Beispiel, bevor ich tiefer ins Detail gehe:

Viele Titel in der Pop-Musik sind leicht an ihrer Melodie und Harmonie zu erkennen. So kennst du sicherlich das Lied Seven Nation Army von den White Stripes – falls nicht, hör doch nochmal kurz rein.

Die fast schon naiven Drums, die eingänge, jedoch gleichermaßen simplistische Bassline und die leicht angezerrten Gitarrenparts sind unverkennbar und zeichen das Lied aus. Wären sie nicht da, was wäre dann?

Nun gut, hören wir uns mal diese Version von Ben L’Oncle Soul an:

Das ist doch gleich etwas ganz anderes. Das Schlagzeug ist immer noch recht einfach gehalten und der Bass spielt nur einige geschmackvolle Akzente in die weltbekannte Bassline. Der Rest der Instrumente und wie sie zusammenspielen vermittelt jedoch gleich eine ganz andere Stimmung. Viel enthusiatischer und aufmunternder, als das etwas melancholisch, dramatische Original.

Nichtsdestotrotz erkennst du auch diese Version sofort als Seven Nation Army. Hauptsächlich liegt dies an der Melodie, die praktisch unverändert blieb. Auch die Harmonie, dass heißt die Gitarren- und Klavierakkorde sind immernoch gleich geblieben.

Jetzt kannst du also schon sehen, wie sich der Charakter eines Songs, nur durch Veränderung zweier dieser vier Elemente, nämlich dem Rhythmus und Timbre, wandeln kann.

Melodie

Die meisten Leute achten beim erstmaligen Hören eines Songs hauptsächlich auf die Melodie. Wie ein Protagonist in einem Film zieht sie die Aufmerksamkeit auf sich und kann somit den gesungenen Text direkt an der Hörer übergeben oder ihn durch ihren Lauf in den Bann ziehen.

Hör doch mal in diesem Klezmer-Stück, wie die Klarinette singt, obwohl sie einen doch so feinen Klang hat:

Doch was wäre ein Film ohne Nebendarsteller, ohne unverkennbare Locations? Nicht mehr als ein Kammerspiel in der Gummizelle. Um diesen leeren Raum, in dem die Melodie alleine schwebt, zu füllen, kümmert sich die Harmonie. Ohne sie wirkt die Melodie etwas schwach. Sie stützt sich auf die Harmonie und kann nur dann wirklich scheinen, wenn diese ihr Wind in den Rücken bläst.

Harmonie

Wenn ich mal bei meiner Filmanalogie bleibe, dann nimmt die Harmonie in dieser die Rolle aller Nebendarsteller ein. Sie erfüllt die ansonsten leere Welt der Melodie mit Leben und, was am Wichtigsten ist, sie erzählt die Geschichte des Stücks.

Was ich damit meine, ist, dass man mit ihrer Hilfe einen Spannungsbogen unter der Melodie spannen kann. Die Harmonielehre lebt fundamental vom Auf- und Abbau dieser Spannung. Um so etwas zu erreichen werden Beziehungen zwischen einzelnen Tönen betrachtet – sogenannte Intervalle. Um diese zu verstehen, ist ein kleiner Blick über den Tellerrand, rüber in die Naturwissenschaften, hilfreich.

Ein kleiner Exkurs in die Entstehung der Harmonielehre

Frequenzen

Wir können einen Ton durch seine Frequenz beschreiben. Die genaue physikalische Interpretation davon ist jetzt erstmal nicht so wichtig. Die Frequenz ist einfach eine Zahl, mit der man diesen Ton identifizieren kann. Hat die Frequenz einen großen Wert, etwa. 4000, so handelt es sich um einen „hohen“ Ton. Ist dieser Wert vergleichsweise niedrig, beispielsweise 100, so klingt der Ton tiefer.

Weiter können wir, um das Verhältnis zweier Töne zu bestimmen, die Frequenz des einen durch die Frequenz des anderen Teilen. Nehmen wir beispielsweise zum Einen das mittlere A des Klaviers, welches einen Frequenzwert von 440 hat. Als Zweites nehmen wir den Ton zwölf Tasten weiter nach rechts. Er hat eine Frequenz von 880, genau die doppelte derer der ersten Taste.

Schöne und hässliche Töne?

Teilen wir 880 also durch 440, so ergibt das selbstverständlich zwei – ein sehr unkompliziertes Ergebnis. Das magische ist nun aber, dass wir hören können, das dieses Ergebnis so unkompliziert ist. Spielst du nämlich diese beiden Tasten gleichzeitig, so erklingt eine Oktave. Das sauberste Intervall, was heißen soll, dass keinerlei Spannung zwischen den beiden Tönen besteht. Um genau zu sein, so wenig Spannung, dass wir den zweiten Ton einfach auch A nennen.

Als Gegenbeispiel können wir auch einfach nur eine Taste vom A nach rechts gehen, dieses Intervall heißt nun eine kleine Sekunde. Der sich dort befindliche Ton A# (sprich: „A-is“) hat eine Frequenz von 466,164. Teilen wir nun wieder dieses beiden Zahlen durch einander, so ergibt das 1.0546875… kein so „schönes“ Ergebnis wie davor. Diese subjektive „Unschönheit“ der Zahl können wir erstaunlicherweise wieder hören, wenn wir beide Töne gleichzeitig spielen. Es erklingt eine scharfe Dissonanz, das heißt diese beiden Töne erzeugen Spannung, wenn man sie zusammen spielt.

Fazit des Exkurses

Aus unserem Exkurs nehmen wir also mit, dass das Verhältnis zweier Töne durch ein Intervall, das heißt ein Verhältnis ihrer Frequenzen charakterisiert wird. Je „schöner“ dieses Verhältnis ist, desto weniger Spannung erzeugt dieses Intervall. Aber warum ist das wichtig um Musik zu verstehen?

Intervalle in Aktion

Gibt es nun also eine Melodie, so kann mann mithilfe der Harmonielehre Töne finden, die „gut“ zu denen der Melodie passen. In der westlichen Musikwelt hat man sich auf zwölf verschiedene Töne geeignet, deren Frequenzverhältnisse und die daraus resultierende Intervalle eine umfangreiche Grundlage für Musik aller Art bilden.

Hör dir zum Beispiel mal den Anfang von Für Elise von Beethoven an:

Dieses bekannte hohe Trillern kennen wir doch. Es ist ein Ton, dann eine Taste weiter nach rechts, und wieder zurück. Die dir jetzt schon bekannte kleine Sekunde also. Spielt man diese beiden Töne so schnell nacheinander, so wird immer wieder erst Spannung auf- und dann wieder abgebaut.

Noch weiter ist es üblich, für jeden Takt einen Ton zu bestimmen, welcher mit dem Verhalten der Melodietöne in diesem Takt harmoniert. Den nennt man dann Grundton. Vergleicht man nun die Intervalle zwischen den Grundtönen, so lässt sich auch hier, genau wie vorher, Spannung erzeugen und abbauen.

Mithilfe der Harmonie eine Geschichte erzählen

Auf diese Art und Weise kann man nun also durch geschickte Wahl von, nicht nur Grund-, sondern auch noch einer beliebigen Anzahl weiteren Tönen, einen Spannungsbogen unter der Melodie erschaffen. Natürlich kann ich in diesem Artikel jetzt nicht auf alle Details eingehen. Vielleicht ja ein anderes Mal mehr dazu.

Falls du dich intensiver mit dem spannenden Feld der Harmonielehre befassen willst und Musik noch besser verstehen willst, kann ich dir hier, neben dem bereits erwähnten Kanal von Adam Neely, auch SignalsMusicStudio nur wärmstens ans Herz legen.

Rhythmus

Es ist der Rhythmus, welcher einen durch den Körper Musik verstehen lässt. Ein guter Groove geht direkt ins Blut über und regt dich zum Tanzen an. Die Grundlagen sind dabei ganz einfach zu verstehen.

Ein wichtiger Anhaltspunkt für das Verstehen von Musik ist das Tempo eines Stücks. Es wird in sogenannten BPM („Beats per Minute„) gemessen und verschiedene Musikrichtungen bewegen sich typischerweise in unterschiedlichen BPM-Bereichen. Üblicherweise hört man im Radio Songs zwischen 110 und 130 BPM. Die goldenen Mitte, 120 BPM, das heißt ein Schlag jede halbe Sekunde, ist sogar oft in Musikprogrammen als Voreinstellung beim Öffnen gespeichert.

So schnell (oder langsam) sind typische Genres

Dub: 60-90 bpm

Hip-hop: 60-100 bpm

House: 115-130 bpm

Techno/trance: 120-140 bpm

Dubstep: 135-145 bpm

Drum and bass: 160-180 bpm

https://learningmusic.ableton.com/make-beats/tempo-and-genre.html

Diese verschiedenen Tempi sagen viel über die Energie eines Stückes aus. Schnelle Lieder fühlen sich typischerweise energiegeladener an, als langsame. Jedoch sind BPM sind nicht alles. Den wirklichen Rhythmus macht aus, was in den Takten geschieht.

Was sind überhaupt Takte?

Der Einfachheit halber beschränke ich mich jetzt mal auf die Vier-Viertel-Taktart. Ein Beat wird hier mit einer Viertelnote gleichgesetzt und wir erhalten, dass ein Takt, bei einem Tempo von 120 BPM, genau zwei Sekunden dauert. Das heißt eine eine halbe Note dauert eine Sekunde, eine Viertelnote eine halbe Sekunde, eine Achtelnote 250 Millisekunden und so weiter… wie du siehst, ein sehr simples System.

Durch die Viertel werden also die Grundschläge des Taktes abgebildet. Zwischen ihnen finden wir dann jeweils eine Achtelnote oder drei Sechzehntel-Noten.

Wie man Rhythmen nutzen kann, um Musik zu verstehen

Betrachten wir nun den klassischen Rock-Groove, wie ihn auch ACDC oft verwendet. Er spiegelt wundervoll die klassische Rhythmusstruktur eines Taktes wieder. Hier kannst du ihn hören:

Die ungeraden Zählzeiten, das heißt die Eins und die Drei, werden mit der Bassdrum betont. Die ungeraden Zählzeiten, die Zwei und die Vier, werden von ihr nicht betont. Dort spielt die Snare.

Achte auf betonte und unbetonte Zählzeiten

Dieselbe Struktur von betonten, ungeraden Zählzeiten und unbetonten, geraden Zählzeiten können wir auch bei den Achtelnoten hören. Die sogennanten Hi-Hats sind Becken die einen kurzen, zischigen Klang haben. Sie werden auf jeder ungeraden Achtel betont gespielt, dass heißt etwas lauter als auf den „und“-Zählzeiten.

Ein solcher Rhythmus ist das gefühlte Rückgrat sämtlicher moderner Pop- und Rock-Musik und damit essenziell um diese zu verstehen. Trotzdem werden aus verschiedenen Gründen, zum Beispiel, dass der Groove recht schnell langweilig wird, auch oft andere Muster oder Verzierungen eingesetzt.

Nutze auch das 16-tel Raster

Eine recht naheliegende Idee ist es, in ein 16-tel Raster zu wechseln. Das kann man gut an diesem Beispiel aus der Playlist meines Posts „Kennst du schon… Italo Moderni“ hören:

Achte hier auf die 16-tel Verzierung der Hi-Hats bei der Zählzeit „3-und

Man kann auch direkt das 16-tel Raster als Grundraster für die Hi-Hats verwenden. Dadurch steigt das gefühlte Tempo und die Energie des Songs. Ehrlich gesagt ist es für „echte“ Instrumente aber auch etwas schwerer, in diesem zu grooven. Beschränke dich daher wenn du anfängst am Besten auf das Achtelraster und Verzierungen im 16-tel-Raster.

Diese Form ist oft im Funk zu hören, aber hier mal ein Drum ’n Bass Beispiel aus meinen Songempfehlungen der Woche #2:

Das rapide Tempo des Drum ’n Bass wird durch die 16-tel Hats noch weiter getrieben
Synkopen – sonst unbetonte Zählzeiten werden betont

Sehr schön kann man hier auch eine Variation im Rhythmus der Bassdrum hören. Anstelle von der Drei, betont sie hier eine Achtel später die „Drei-und„. Es entsteht zwar eine Lücke zwischen der Zwei und der „Drei-und„, jedoch gibt diese dem ganzen Beat Zeit zum Atmen und wird bei dem rapiden Tempo schon fast notwendig.

Achte auch darauf, wie die zweite Bassdrum und die Snare in diesem Fall ein Paket bilden. Damit meine ich, dass man die Bassdrum als eine Art Vorboten der Snare wahrnimmt, anstelle ihrer Rolle als „Anker“ im vorherigen Beispiel.

Während die erste Bassdrum so gut wie immer auf der Eins ertönt, kann die zweite aber auch nach vorne gezogen werden, auf die „Zwei-und„. Dies hört man recht oft bei orientalischer Musik oder auch im Reggaeton. Da zu diesen Musikrichtungen oft getanzt wird, scheint der Rhythmus einen sehr belebenden Effekt auf den Hörer zu haben und ist ebenfalls wichtig, um Musik zu verstehen.

Hör doch hier nochmal in dieses Beispiel rein und schau, ob du die Bassdrum raushören kannst:

Wie du siehst gibt es auch beim Rhythmus, trotz eines simpel scheinenden Systems, eine unfassbar Vielfalt an Möglichkeiten, bekannte Muster und Grooves zu variieren und neu zu erfinden. Ich persönlich bin immer auf der Suche nach solchen Variationen, kann mich aber auch an den Klassikern kaum satthören. Wie sieht’s bei dir aus? Schreib’s doch mal in die Kommentare

Timbre

Zu guter letzt möchte ich noch auf Timbre eingehen, was im musikalischen Kontext so viel wie Klangfarbe bedeutet. Freunde von House, Techno und co. werden diese Kategorie wohl als wichtigstes Element beschreiben. Oft erlaubt der Rhythmus in diesen Genres wenig Variation außerhalb der Hi-Hats und Perkussion, die Harmonie besteht manchmal nur aus einem Akkord und Melodien sind auch eher selten anzutreffen.

Dafür spielt dort die Wahl der Instrumente oder Klangerzeuger die entscheidende Rolle. Durch das Aufkommen der künstlichen Klangerzeugung wurde das Spektrum so groß, dass diese Genres ihr Hauptaugenmerk auf eine einzigartige Kombination von verschiedenen Klängen legen können. Lausche hier um zu verstehen, was ich mit solcher Musik meine:

Eine sehr maritime Atmosphäre wird durch viel Echo und trockene Analog-Synths erzeugt
Mysteriöse, dunkle Vibes durch evolvierende Klänge und chaotisch auftretende Samples

Aber auch bei den „natürlichen“ Instrumenten erlauben verschiedene Spielweisen und Klangkonfigurationen es, eine einzigartige Klangfarbe zu schaffen. So sticht zum Beispiel ein geslappter E-Bass sofort hervor. Lerne hier, warum es sich nicht nur für’s Slappen lohnt, dieses Instrument zu spielen.

Nicht zuletzt zeichnen sich bestimmte Genres ja auch durch ihre Klangfarben aus. In einem klassischen Orchester sind wohl keine Synthesizer zu erwarten. Genau so wenig wirst du die südafrikanische Vuvuzela (ja, das ist wirklich ein Instrument und nicht nur für Fußballfans mit sadistischer Veranlagung) auf Adeles nächstem Album hören. Rockmusik hat eine E-Gitarre, Hip-Hop den Rap, Folk diverse, für die jeweilige Kultur typische, Instrumente und so weiter und so fort…

Wie du dein Musikverständnis besonders gut trainierst

Wie du sicherlich bereits bemerkt hast ist der Tipp, diese vier Disziplinen einfach zu meistern und somit der ultimative Musiker zu werden, ziemlicher Quatsch. Das ist einfach unmöglich. Besonders, wenn ich selbst Musik mache, habe ich es gelernt, all dieses Gelernte einfach wieder zu vergessen und meinem Hörgefühl nach zu entscheiden. Das macht mir persönlich, und ich schätze auch vielen anderen Musikern, einfach mehr Spaß.

Jedoch kommt es hin und wieder mal vor, dass ich das Gefühl habe, in eine Sackgasse gelangt zu sein. In diesen Momenten hilft es enorm, Musik auf diese Weise verstehen zu können. Ich muss einfach mit einem kritischen Gehör lauschen und gucken, in welcher der obigen Kategorien ich etwas ändern könnte, um das gewünschte Gefühl zu vermitteln.

Schlussendlich meine ich damit, dass Musiktheorie einem fast mehr hilft, wenn man Musik hört. Die Möglichkeit präzise über das Gehörte reden und genau einschätzen zu können, was einem gefällt oder nicht gefällt, leitet einen dann automatisch auf die Suche nach neuen Titeln, welche diese Lücke füllen. Eine Suche die mir seit jeher einen unfassbaren Spaß bereitet und durch den Wunsch, Musik zu verstehen, geleitet wird.

Daher mein Tipp an dieser Stelle: Achte auf alle vier Elemente – Melodie, Harmonie, Rhythmus und Timbre. Schau welche stilistischen Erscheinungen du bemerken kannst und nimm sie in deinen Baukasten auf. Stelle dir vor, was sein könnte und wie das klingen würde.

Lust auf mehr?

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Dann zögere nicht und trage dich gleich hier unten in den Rauhaus-Mailverteiler ein, um auch in Zukunft immer vorbereitet zu sein, wenn du mal wieder nur langweilige Musik hörst!

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