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Klavierspieler
12. Januar 2022
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Muskelgedächtnis: Was das ist und wie du es trainieren kannst

Dein Muskelgedächtnis ist unfassbar. Du kannst damit Bewegungen wie von Geisterhand ausführen. Lerne hier, wie das funktioniert.

Lange Zeit habe ich mir die Frage gestellt, wie ich effektiver Üben kann. Nach etwas Recherche fand ich heraus, dass das Trainieren des sogenannten „Muskelgedächtnisses“ sehr wichtig ist, um sich weniger zu verspielen. Wenn du mal wieder einen Profi-Musiker siehst, bei dem es so aussieht, als müsse er gar nicht darüber nachdenken, was er spielt, dann liegt das wahrscheinlich daran, dass dieser ein sehr gutes Muskelgedächtnis hat. Finde jetzt heraus, wie das Muskelgedächtnis funktioniert und du deines am Besten trainieren kannst!

Der Begriff „Muskelgedächtnis“ kommt vom englischen „Muscle Memory Effect“. Dein Muskelgedächtnis erlaubt es dir, eine oft wiederholte Bewegung auszuführen, ohne dass du dich dabei auf diese Bewegung konzentrieren musst. Dein Gehirn „speichert“ den Bewegungsablauf ab und du kannst ihn dann einfach jederzeit abrufen. Wenn du ein gut trainiertes Muskelgedächtnis hast, wirst du dich weniger verspielen und deinen Fokus auf andere Aspekte der Musik legen können.

Egal ob du Gitarre, Klavier, Saxophon oder Bass lernst, dein Muskelgedächtnis wird dir früher oder später einen großen Teil der Arbeit abnehmen. Damit meine ich ganz besonders die Dinge, mit denen du am Anfang die größten Probleme hast.

Überzeuge dich selbst und guck dir an, wozu ein gut trainiertes Muskelgedächtnis fähig ist:

Schau dir nur die ganzen schwierigen Bewegungen der rechten Hand an und bemerke, wie viele verschiedene Rhythmen diese spielt. Wenn du denkst, dass der geniale Gitarrist Ben Woods hier über jedes kleine Detail nachdenken muss, irrst du dich gewaltig.

Durch hunderte, ja wenn nicht sogar tausende Stunden von Üben hat er die verschiedenen Griffbewegungen in sein Gehirn „einprogrammiert“ und kann sich ganz darauf konzentrieren, die Wechsel dazwischen flüssig zu spielen. Schließlich muss er ja auch noch mit der linken Hand die richtigen Töne und Akkorde greifen während seine andere Hand auf den Saiten tanzt.

Aber wie funktioniert das?

Wie funktioniert das Muskelgedächtnis?

Zuerst einmal sei angemerkt, dass der Begriff „Muskelgedächtnis“ etwas irreführend ist. Das eigentliche Gedächtnis befindet sich natürlich im Gehirn. Von dort aus kontrolliert dein Körper auch die Muskeln und befiehlt ihnen, sich anzuspannen oder zu entspannen.

Was es überhaupt bedeutet, ein Instrument zu spielen

Das Spielen eines Instrumentes erfordert es, sehr viele komplexe Bewegungen in kurzer Zeit und mit einer ordentlichen Prise Fingerspitzengefühl auszuführen. Darum musst man ja auch so viel üben und ist oft frustriert, wenn es sich anfühlt als wäre da einfach ein Knoten im Gehirn.

Sowas ist aber völlig normal und jeder Musiker kennt es. Lass dich also nicht demotivieren. Irgendwann wirst du die Tonleiter, den Akkord oder was auch immer du gerade übst schon drauf haben und dich auf dein Muskelgedächtnis verlassen können.

Wie dein Gehirn das Geübte verarbeitet

Das Gehirn ist für das Muskelgedächtnis verantwortlich.

Wenn du einen Bewegungsablauf die ersten Male ausführst, wird sich alles noch sehr ungewohnt anfühlen. Die verschiedenen Nervenzellen in deinem Gehirn sind noch nicht direkt verbunden und die Signale müssen Umwege gehen, bis sie an die Muskeln gesendet werden können.

Je öfter du die Bewegung nun ausführst, desto besser wird auch die Verbindung zwischen den beteiligten Nervenzellen. Du kannst dir das wie eine Straße vorstellen, die langsam immer weiter ausgebaut wird.

Zuerst müssen die Signale den langsamen Weg durch die verstopfte Innenstadt nehmen. Mit etwas mehr Übung wird dann eine kleine Umgehungsstraße gebaut, die die Nervenzellen direkt verbindet. Nach einigen Wochen der Übung herrscht dann auf einmal so viel Verkehr, dass sie zur Landstraße ausgebaut wird. Bei professionellen Musikern werden nach Jahren der Übung schon mehrspurige Autobahnen notwendig.

Das Schöne dabei ist, dass es völlig egal ist, um welche Art von Bewegung es sich handelt. Köche, Sportler und Vieltipper – sie alle profitieren von diesem genialen System, welches erklärt warum Wiederholung eines der mächtigsten Mittel ist, wenn es darum geht eine neue Fähigkeit zu erlernen.

Aber wenn ich mein Muskelgedächtnis einmal trainiert habe, die Autobahn ausgebaut ist, bleibt das dann so oder muss ich immer wieder den Straßenbelag erneuern?

Wie lange hält das Muskelgedächtnis?

Wie ich dir im letzten Abschnitt bereits erklärt habe, funktioniert das Muskelgedächtnis nicht nur beim Erlernen eines Instruments, sondern bei allen möglichen Handlungen. So hast du dich auf sein Funktionieren auch verlassen, als du zum Beispiel Fahrradfahren oder Schwimmen lerntest.

Also, kannst du heute immer noch Fahrrad fahren? Ja, aber wenn du lange nicht gefahren bist, wird es am Anfang vielleicht etwas hakelig sein. Nach kurzer Zeit wird sich dein Muskelgedächtnis jedoch wieder an die Bewegungen erinnern und voll einsatzbereit sein, sodass du dich auf den Verkehr konzentrieren kannst.

Auch wenn du jahrelang keine Musik mehr gemacht hast, werden die Nervenautobahnen immer noch vorhanden sein. Wenn auch vielleicht schon etwas angestaubt, kannst du sie jederzeit wieder zum Leben erwecken.

Du wirst merken, dass es dir deutlich leichter fallen wird, wenn du bereits eingeübte Fähigkeiten zum zweiten oder dritten Mal verwendest. Das kann man zum Beispiel auch beim Sprachenlernen beobachten. Wenn du eine neue Sprache lernst, aber bereits zuvor eine Sprache der selben Sprachfamilie beherrschtest, werden dir viele Dinge bekannt vorkommen und du wirst die neue Sprache viel schneller verstehen.

Das gilt ganz analog auch für Musikinstrumente und -theorie. Hast du den Umgang mit einem Griffbrett schon auf der Gitarre gelernt, werden dir andere Saiteninstrumente, wie eine Ukulele oder ein Bass, bereits vertraut vorkommen.

Dein Muskelgedächtnis kann das Gelernte direkt auch auf diese neuen Griffbretter anwenden und erspart dir somit einen ganzen Batzen an Arbeit.

Was sind deine besten Tipps für’s effiziente Üben?

Dein Muskelgedächtnis zu trainieren ist schon ein guter Anfang. Nichtsdestotrotz kennst du doch sicherlich noch ganz andere Taktiken, die du nutzt, um deine Übungszeit so effektiv wie möglich zu gestalten.

Schreib sie jetzt in die Kommentare, damit auch unsere virtuellen Kollegen darüber Bescheid wissen und deine Tipps selbst anwenden können!

Man kann sein Muskelgedächtnis auf jedem Instrument trainieren

Warum solltest du dein Muskelgedächtnis trainieren?

Neben den bereits angesprochenen Vorteilen, die ein gut trainiertes Muskelgedächtnis bietet, habe ich einen ganz ichtigen noch nicht angesprochen. Mit seiner Hilfe kannst du nämlich diese eingeübten Bewegungen an dein Unterbewusstsein „abgeben“ und musst dich kaum bewusst darauf konzentrieren.

Der Teil des Gehirns, welcher für die kompliziertesten Handlungen zuständig ist, ist die sogenannte „Hirnrinde“. Das ist der Teil, den man umgangsprachlich als „graue Zellen“ bezeichnet. Alles, worauf du dich aktiv fokussierst spielt sich dort ab.

Doch das Gehirn ist größer als das, unter der Hirnrinde befinden sich die „weißen Zellen“. Diese sind für Handlungen zuständig, auf die du dich nicht wirklich konzentrieren musst. Zum Beispiel eben gerade das Muskelgedächtnis.

Fängst du an, eine Bewegung zu erlernen, so wird sich diese Handlung in der Hirnrinde abspielen. Du wirst dich voll auf jedes kleinste Detail konzentrieren müssen und anfangs viele Fehler machen.

Je öfter du diese Bewegung wiederholst, desto „tiefer“ werden die notwendigen Abläufe in deinem Gehirn hinterlegt. Sie wandern von den grauen Zellen langsam zu den weißen Zellen. Das heißt, dass du dich mit der Zeit einfach darauf verlassen kannst, diesen Bewegungsablauf richtig auszuführen und „nur“ noch bestimmen musst, wann er erfolgen soll.

Ich denke, dass dir mittlerweile klar sein sollte, welche enormen Vorteile es bringt, ein gut trainiertes Muskelgedächtnis zu haben. Jetzt gilt es nur noch, dieses möglichst effektiv zu trainieren, sodass auch du die kompliziertesten Stück wie von Geisterhand spielen kannst.

Wie kann ich mein Muskelgedächtnis am Besten trainieren?

Es gibt einige Tricks, mit denen du dein Muskelgedächtnis besonders gut trainieren kannst. Ich stelle dir nun zwei davon vor, die mir besonders viel geholfen haben. Es gibt natürlich noch eine ganze Stange mehr davon, hier zum Beispiel ein Video, welches ich für Pianisten als sehr hilfreich einschätzen würde.

1. Wiederholen, wiederholen, wiederholen – und nochmal wiederholen

Am wichtigsten ist natürlich die beständige Wiederholung der Übungen. Nur so kann dein Gehirn einschätzen, wie wichtig es ist, jene Straßen auszubauen. Sowas kostet nämlich Energie und dein Gehirn verbraucht bereits circa zwanzig Prozent der gesamten Energie deines Körpers. Es muss also sparsam sein und du musst ihm zeigen, was dir besonders wichtig ist.

Das machst du am Effektivsten, indem du die Dinge, welche du erlernen willst, häufig und regelmäßig wiederholst.

2. Laaaangsaaam üüben

Eine zweite wichtige Taktik, die du nutzen kannst um dein Muskelgedächtnis zu trainieren, ist das langsame Wiederholen einer Bewegung. Dein Körper hat dann mehr Zeit, jedes Detail derer zu erfassen und zu lernen, wie man es am effektivsten ausführt. Das hat abermals mit dem Ziel zu tun, möglichst wenig Energie zu verbrauchen.

Dir ist vielleicht schonmal aufgefallen, wie butterweich und kinderleicht es aussieht, wenn ein Profi seiner Tätigkeit nachgeht. Das liegt daran, dass Effizienz für den Körper eben bedeutet, keine großen Bewegungen zu machen, weil er so am meisten Energie spart. Diese Profis haben genau gelernt, so energieeffizient wie möglich zu arbeiten.

Mach deine Übungen also zudem so langsam, wie es nur irgendwie möglich ist. Ich meine wirklich so langsam, dass es sich anfühlt, als würdest du in Zeitlupe spielen.

Wenn du etwas dann ca. 150 Mal wiederholt hast, kannst du langsam das Tempo anheben. Du wirst sofort merken, dass sich das Ganze auf diese Weise viel sicherer anfühlt. Du kennst die Bewegungen schließlich bereits in- und auswendig.

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